Nadellager oder Bronzebuchsen?

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Muralis
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Nadellager oder Bronzebuchsen?

Beitrag von Muralis »

das treibt mich noch um, was nehme ich als Schwingenlager? Bronzehülsen (oder wie man die Dinger auch immer bezeichnen mag) haben eine große Auflagefläche, Nadellager sind wohl leichtgängiger, hängt aber von der Schmierung der Bronzebuchsen ab. Ich tendiere zu Bronze, weil das bischen abschmieren ist ja kein Problem. Was schreiben aber die Fachmenschen zu dieser Frage, bin ich auf dem Holzweg?
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Jörg SF1
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Re: Nadellager oder Bronzebuchsen?

Beitrag von Jörg SF1 »

Bronzebuchsen wollen gepflegt werde. Sprich regelmäsig abschmieren sonst hast Du nicht lange Freude.
Nadellager sollen vom Einbau her etwas kompliziert sein.Du brauchst irgendwelche Ausgleichsringe.Sind aber auf Dauer haltbarer und regelmässige Schmierung fällt weg.
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Muralis
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Re: Nadellager oder Bronzebuchsen?

Beitrag von Muralis »

Naha, da ich den fast T1 sowieso immer abschmieren muß und den Tiegel auch, empfinde ich das nicht so als Belastung, aber gibt es wirklich Unterschiede in der Stabilität, oder bewegen diese sich eher im philosophischen Bereich?
1000er
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Re: Nadellager oder Bronzebuchsen?

Beitrag von 1000er »

Hallo Muralis,

grundsätzlich kann man sagen das Bronze-Gleitlager oder Wälzlager ohne ausreichende Schmierung nicht lange funktionieren. Das Bronzegleitlager wahrscheinlich länger, dank den guten Notlaufeigenschaften dieser Materialpaarung. Gleitlager sind auch weniger empfindlich auf Verschmutzung.

Im vorliegenden Fall ist die Leichtgängikeit des Nadellagers sicher von Vorteil kommt aber nur zum Tragen wenn alle Umgebungsbedingungen optimal sind. Soll heissen:

- Aufnahmebohrungen für Nadellager in der Schwinge wirklich rund
- Bohrungsachsen links/rechts müssen genau fluchten
- Seitenflächen paralell
- Seitenwangen im Rahmen paralell und eben
- Innenringe zylindrisch sind und gleichen Durchmesser haben
- Zu guter Letzt muss alles so ausdistanziert werden dass nichts klemmt oder lottert.

Die Entscheidung liegt nun bei dir.

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich etliche Stunden damit verbracht die obengenannten Punkte an meiner 3CL zu optimieren, und dann etwas schmalere "2RS" Nadellager eingebaut. Das Lager sollte jetzt gegen Schmutz und Wasser voll geschütz sein und das einmal eingebrachte Fett "ewig" halten.
Bin schon sehr gespannt wie das Funktioniert.

Schönes Wochenende und Gruss

Florian

Übrigens, was ist ein T1 und ein Tiegel???
Muralis
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Re: Nadellager oder Bronzebuchsen?

Beitrag von Muralis »

Ein T1 ist ein alter VW-Bus, der mit den vielen Fensterchen, ich habe aber nur die lediglich in Europa seltene brasilianische Zwittervariante. Ein Tiegel ist eine Buchdruckmaschine, unserer ist Baujahr 1952, die meist nur noch zum Stanzen, Rillen und Nuten eingesetzt wird. Beiden gemeinsam ist eine Anzahl von Schmiernippeln die regelmäßig mit Fett/Öl versorgt werden müssen, insofern ist der eine Schmiernippel der Laverda ein Klacks.

Ich danke für die Aufstellung, berichte mir bitte ob es einen spürbaren Unterschied gibt.
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piet
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Re: Nadellager oder Bronzebuchsen?

Beitrag von piet »

Bronze- oder Nadellager, beides ist in diesem Fall scheisse..... ist eher eine Frage welches ist weniger scheisse! :D

Bronze will, wie Jörg schon schrieb, gepflegt werden, dh regelmässig frisches Fett rein und den Dreck und Abrieb raus. Eine leistungsfähige Fettpresse ist Bedingung und eine Riesensauerei die Folge. Aber, die Tragfähigkeit ist die bessere, nur, die eigentliche Achse gibbet nicht mehr, da muss man sich was einfallen lassen, da heisst es ran an die Drehmaschine!

Nadellager arbeiten sich schnell ein aufgrund der puntktuellen Drücke und kleinen Winkelbewegungen. Kommt noch dazu dass die serienmässige Abdichtung keine ist... dafür sind sie relativ billig und erhältlich! Abschmieren darf man auch nicht vergessen, die Sauerei gibt's umsonst.

Wichtig bei beiden ist Spielfreiheit, zumindest wenn sie neu sind. Ab da ist es eine Sache der Pflege..... dass alles winklig und gerade ist sollte sich von selbst verstehen.

Ich habe mir mein eigenes Nadellagersystem ausgetüftelt, nicht ganz einfach aber weil sauber abgedichtet halten sie mindestens 50000km, aber langsam stellt sich ein wenig Spiel an eine Schwinge ein.... hat immerhin schon mal länger gehalten als die serienmässige Lagerung!

Wenn sie ein wenig präziser in der Führung der Hinterradschwinge wären, würde ich Silentblöcke vorziehen..... halten fast ewig ohne nennenswerten Verschleiss!

piet
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Re: Nadellager oder Bronzebuchsen?

Beitrag von Muralis »

Wegen der Kontaktfläche finde ich die Bronzebuchsen auch sinnvoller, kann ich mir jedenfalls in meinem nicht von Fachwissen verblendeten Kopf vorstellen. Die Auflagefläche eines Nadellagers ist ja nur punktuell.

Was ich nur aus reinem Interesse wissen möchte: warum haben die Bronzelager in der Rappelsverda keine "Fettgänge" um eine bessere Scmierung zu ermöglichen. Da ich mich sicher nicht fachmännisch ausgedruckt habe: ich meine spiralförmige halboffene Gänge an der belasteten Seite, die wohl eine bessere Schmierung ermöglichen sollen?
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piet
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Re: Nadellager oder Bronzebuchsen?

Beitrag von piet »

Die "Fettgänge" befinden sich in/auf der Achse. War wahrscheinlich in der Fertigung einfacher/billiger zu realisieren.

piet
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